
Der Vermögensverwalter Klaus-Peter Breiling gibt Auskunft zum aktuellen Finanzmarkt!
Aktuelles
Die Kapitalmärkte starten in das zweite Quartal 2026 mit einer Mischung aus geopolitischer Entspannung, hartnäckigen Inflations- und Zinsrisiken sowie einer historisch einmaligen Welle an KI-getriebenen Mega-IPOs. Während Leitindizes nahe ihren Höchstständen notieren, konzentriert sich ein großer Teil der Kursfantasie auf wenige Themen: Künstliche Intelligenz, Rechenzentren, Energie und Raumfahrt. Gleichzeitig wächst der globale Energiebedarf deutlich schneller als in der vergangenen Dekade, getrieben unter anderem durch den Stromhunger von Datenzentren und KI-Anwendungen.
Vor diesem Hintergrund erscheint die Marktlage zunehmend fragil, denn in überbewerteten Hype-Segmenten ist das zusätzliche Aufwärtspotenzial begrenzt, während das Rückschlagpotenzial bei einer Stimmungswende erheblich ist. Im Schatten der KI-getriebenen Indizes zeichnet sich bereits ein anderes Bild, denn hier werden vorherige Qualitätsunternehmen seit Jahresanfang mit teils deutlichen Abschlägen gehandelt, was eine zunehmende Dissonanz zwischen positiv laufenden Gesamtmarktcharts und dem realen Markt bedeutet und eine größere Korrektur verschleiert. Um hier einige Beispiele zu nennen, handelt zum Beispiel Mercedes mit ca. 30% Abschlag, Rheinmetall in der Spitze vom Hoch mit bis zu 50% Abschlag, Gold mit bis zu 30% Abschlag und als sehr neuer Wert, SpaceX mit bereits ca. 30% Abschlag seit dem starken Anstieg nach IPO (Abruf vom 02.07.26). Eine Korrektur auf Einzelwertebene ist demnach bereits im Gange, ein größeres Ausmaß allerdings stark abhängig von der laufenden Rally und der Sorge, dass ein Abflauen der Nachfrage und Überproduktionen im Chip-Sektor zu einem stärken Ausverkauf führen können.
Marktstimmung und Geopolitik, eine Entspannung auf Zeit
Die Meldung eines Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran zur Wiederöffnung der Straße von Hormus hat für spürbare Entspannung an den Energiemärkten gesorgt. Ölpreise gaben nach, asiatische Aktienindizes legten kräftig zu und Risikoaufschläge auf Unternehmensanleihen gingen kurzfristig zurück. Die Risikobereitschaft der Anleger stieg, viele Marktteilnehmer interpretierten das Abkommen als Signal für eine vorläufige Normalisierung im Nahen Osten.
Gleichzeitig bleibt das Abkommen aber politisch fragil, da die konkrete Ausgestaltung des Abkommens offen ist und die Verwundbarkeit globaler Liefer- und Energieketten hoch. Phasen plötzlicher Entspannung nach solchen geopolitischen Schocks werden häufig von überzogener Zuversicht begleitet, während die zugrunde liegenden strukturellen Probleme wie Energieabhängigkeit und sicherheitspolitische Spannungen ungelöst bleiben. Für langfristig orientierte Anleger ist die Entspannungsrally daher eher Anlass, die eigene Risikopositionierung kritisch zu überprüfen, als sie aggressiv auszuweiten. Kurzfristige Kursgewinne stehen einem Umfeld gegenüber, in dem Energiepreise, Zinsen und geopolitische Risiken jederzeit wieder zum Belastungsfaktor werden können.
Makrobild - Inflation, Zinsen und Anleihemärkte
In den USA und der Eurozone bleiben die Inflationsraten über den Zielmarken der Notenbanken, und der Zinsausblick signalisiert ein Umfeld „höher für länger“. Für die USA werden Kern-Inflationsraten klar über 2 Prozent und ein Federal-Funds-Zielkorridor von etwa 3 bis 3,25 Prozent zum Jahresende 2026 erwartet. In der Eurozone liegt die Teuerung zuletzt bei rund 2,6 Prozent. Die EZB hat den Einlagensatz daraufhin angehoben und ihre Prognosen für 2026 und 2027 auf etwa 3 bzw. 2,3 Prozent Inflationsrate revidiert. Weitere Zinserhöhungen sollten in der Eurozone allerdings auf einem kritischen Prüfstand stehen, da die zuletzt höhere Inflation zum Großteil exogene Begründungen findet und hauptsächlich auf einen Ölpreisschock im Zuge des Iran-Konfliktes zurückzuführen ist. Es kann daher von einer nur temporären Erhöhung ausgegangen werden, die sich bei positiver Entwicklung des Konfliktes weiter entspannt und keine Notwendigkeit von weiteren Zinserhöhungen fundiert.
Parallel verschiebt sich das globale Zinsgefüge durch den Kurswechsel in Japan. Nach Jahrzehnten der Nullzins-Politik bewegen sich Renditen zehnjähriger Staatsanleihen in Richtung 2,3 bis knapp 3 Prozent und könnten laut aktuellen Prognosen bis Ende 2026 etwa 2,8 Prozent erreichen. Japanische Investoren reduzieren damit tendenziell ihre Engagements in ausländischen Anleihemärkten, was die Nachfrage nach US-Treasuries und anderen langlaufenden Papieren dämpft. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Szenarios, in dem globale Renditen länger erhöht bleiben und Refinanzierungen teurer werden.
Unternehmen im Technologie- und KI-Segment finanzieren ihre Milliarden-Investitionsprogramme überwiegend über Kapitalerhöhungen und Anleiheemissionen. Hyperscaler wie Amazon, Microsoft, Google, Meta und Oracle werden 2026 Schätzungen zufolge deutlich über 600 Milliarden US-Dollar an Investitionen tätigen, wovon ein Großteil in KI-Infrastruktur und Rechenzentren fließt. Diese Kombination aus erhöhten Zinsen, großem Kapitalbedarf und ambitionierten Bewertungen macht die Märkte anfällig für Enttäuschungen. Insbesondere bemerken wir hier einen erhöhten Druck auf die Unternehmen, ihre Ausgaben möglich zu machen, um den Anschluss im KI-Wettrüsten nicht zu verlieren, die Mittel und Wege scheinen zweitrangig.
Für Anleger eröffnet das Zinsniveau gleichzeitig wieder attraktive Chancen im Anleihebereich. Kurz- bis mittelfristige Staats- und Unternehmensanleihen solider Emittenten bieten heute laufende Renditen, die in der Nullzinsphase nur mit deutlich höherem Risiko erreichbar waren.
KI-Mega-IPOs, die Euphorie mit Dotcom-Charakter
Mehrere der größten Börsengänge der Geschichte stehen für 2026 an: SpaceX, die vor wenigen Tagen ihren Börsengang vollzogen haben, OpenAI, die aufgrund der schlechten Datenlage bereits eine Verschiebung in 2027 erwägen, und Anthropic. Gemeinsam sollen sie Bewertungen im Bereich von knapp 4 Billionen US-Dollar an den Markt bringen. SpaceX wird aktuell mit bis zu 2 Billionen US-Dollar bewertet, während OpenAI und Anthropic im privaten Markt bereits im Bereich von 850 bis 965 Milliarden US-Dollar gehandelt werden.
Allen drei Unternehmen ist gemeinsam, dass sie stark wachsen, aber weiterhin tiefrote Zahlen schreiben und extrem kapitalintensive KI- und Infrastrukturprogramme verfolgen. Schätzungen zufolge erzielt OpenAI heute Umsätze im Bereich von 20 bis 25 Milliarden US-Dollar pro Jahr, plant aber für 2026 einen zweistelligen Milliardenverlust und erwartet Profitabilität erst um 2030. Ähnliches gilt für SpaceX.
Bewertungen, die in Größenordnungen etablierter, profitabler Blue Chips liegen, treffen damit auf Geschäftsmodelle, die über Jahre hinweg massiv vom Kapitalmarkt abhängig bleiben. Das erinnert in Dynamik und Narrativ an die späte Dotcom-Phase, wenn auch mit deutlich realeren Umsätzen und Produkten als damals. Für uns sind solche Emissionen ein gefährliches Indiz für eine Marktlage, die alles andere als gesund aussieht und zunehmend mit empfindlichen Korrekturen einhergehen kann. Somit beteiligen wir uns nicht an diesen neuen Emissionen, bei denen eine Profitabilität nur in den Sternen steht und bleiben unserer Linie und unseren Prinzipien treu. Diese beinhalten einen Fokus auf Qualitätsunternehmen mit soliden Bilanzen, stabilen Cashflows und nachvollziehbaren Geschäftsmodellen, die nicht ausschließlich vom Gelingen eines einzelnen Megatrends abhängen.
Energiehunger, Rechenzentren und Infrastruktur
Der Energiehunger der Weltwirtschaft steigt strukturell und wird durch Digitalisierung und KI deutlich verstärkt. Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass die globale Stromnachfrage zwischen 2026 und 2030 im Durchschnitt um etwa 3,6 Prozent pro Jahr wächst, deutlich schneller als im vergangenen Jahrzehnt. Ein wesentlicher Treiber sind Rechenzentren, die Mitte der 2020er Jahre bereits rund 1,5 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs ausmachen und deren Anteil sich bei anhaltender KI-Dynamik deutlich erhöhen dürfte. Studien großer Investmenthäuser gehen davon aus, dass der Strombedarf von Rechenzentren bis 2027 um etwa 50 Prozent und bis 2030 um bis zu 165 Prozent gegenüber 2023 steigen könnte. Damit werden Netze, Speicherlösungen und Erzeugungskapazitäten zu zentralen Engpassfaktoren und der Standortwettbewerb um günstigen, stabilen und möglichst CO2-armen Strom nimmt erheblich zu.
Für Anleger entstehen daraus zwei Seiten einer Medaille: Chancen bei Infrastruktur-, Netz- und ausgewählten Versorgerunternehmen, die von Investitionsprogrammen profitieren, und Risiken bei energieintensiven Geschäftsmodellen ohne ausreichende Preissetzungsmacht. Gleichzeitig führt die starke Nachfrage nach KI-Rechenleistung zu einem Investitionsboom in der Halbleiter- und Speicherbranche, der kurzfristig hohe Auslastung, mittelfristig aber auch zyklische Überkapazitätsrisiken mit sich bringen kann. Dass dies bereits eingepreist wird, sehen wir in Titeln wie Micron Technology, die trotz enormen Kursanstiegen weiterhin mit einem niedrigen KGV bewertet sind.
Taktik in volatilen Zeiten
Um Ihnen ein Verständnis davon zu vermitteln, wie wir die beschriebene Marktphase, die von Volatilität und zunehmender Sorge geprägt ist, mit taktischen Positionen nutzen, stellen wir Ihnen am Beispiel unseres Fonds, dem BSK Multi Asset Substanz, einige getätigte Investments vor. Das Ziel ist, mit taktischen Positionen einen Mehrwert zu generieren und dabei weiterhin in langfristig soliden und führenden Unternehmen investiert zu bleiben. Die Beispiele zeigen lediglich einen kleinen Ausschnitt der Investments und dienen nur zur Veranschaulichung der Nutzung taktischer Investments, stellen dabei aber keine Empfehlung dar, eine Aktie zu kaufen oder zu verkaufen.
Die Tabelle veranschaulicht, dass die taktischen Positionen unserer sorgfältig ausgewählten Qualitätstitel meist eine deutlich kürzere Haltedauer als unsere langfristigen Strategien haben, aber dennoch einen merklichen Beitrag zur Gesamtrendite liefern können. Trotz eines deutlich höheren Arbeitsaufwands, liegt hierin aus unserer Sicht auch ein besonderes Potenzial guter Vermögensverwalter, die nicht nur eine vierteljährliche Anpassung Ihrer Anlagequoten vornehmen, sondern eben auch taktische Chancen zu nutzen, um den Erfolg für ihre Kunden zu optimieren. Natürlich geht nicht jede taktische Position auf, allerdings ist es uns damit möglich, auch in Korrekturphasen oder Zeiten von erhöhter Unsicherheit am Markt eine Zusatzrendite zu erzielen.
Unsere Positionierung und Ausblick
Vor dem skizzierten Hintergrund setzen wir in der aktuellen Marktlage bewusst auf Stabilität vor maximaler Risikoausnutzung und Rendite. Dabei sind zentrale Punkte für uns:
Kurzfristig mag dieser Ansatz bedeuten, den stark KI-getriebenen Indizes hinterherzulaufen. Langfristig erhöht er jedoch die Wahrscheinlichkeit, Vermögen auch in möglichen Korrekturphasen zu bewahren und zugleich angemessen an der Wertschöpfung solider Unternehmen zu partizipieren.
Der Ausblick bleibt daher vorsichtig konstruktiv. KI, Energieinfrastruktur und Digitalisierung bieten langfristig attraktive Wachstumschancen, erfordern aber disziplinierte Bewertung, Qualitätsfokus und ein klares Risikomanagement. Ein regelgebundener, diversifizierter und substanzorientierter Ansatz hat sich in vergleichbaren Marktphasen historisch bewährt und bildet auch heute die Grundlage unserer Entscheidungen. Unsere strategische Antwort liegt daher in Kapitalerhalt, Qualitätsfokus, Liquidität und klar gesteuerten Risikobudgets. Bewusst auch um den Preis, nicht jede kurzfristige KI-Rally vollständig mitzunehmen.
Herzliche Grüße
Ihr Team der
Breiling | Spohn & Kollegen
Vermögensverwaltung GmbH

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Dieser Kommentar dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumen- ten oder zu einer sonstigen Wertpapiertransaktion dar. In einem persönlichen Gespräch stehen wir gerne für weitere Informationen zur Verfügung. Eine Investmentstrategie orientiert sich stets an den persönlichen Umständen eines Anlegers wie beispielsweise Anlagehori- zont, Risikoerwartungen und Renditeziele. © Breiling Spohn und Kollegen Vermögensverwaltung GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Eine Garantie für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben oder dem Eintreffen von Erwartungen kann nicht übernommen werden und keine Aussage in diesem Marktkommentar ist als solche Garantie zu verstehen. Die Breiling Spohn und Kollegen Vermögensverwaltung GmbH noch deren Kooperationspartner übernehmen irgendeine Art von Haftung für die Verwendung dieser Präsentation oder deren Inhalt. Weder die Veröffentlichung noch eine Vervielfältigung dieses Marktkommentars darf ohne die vorherige ausdrückliche Erlaubnis der Breiling Spohn und Kollegen Vermögensverwaltung GmbH auf irgendeine Weise verändert oder an Dritte verteilt oder übermittelt werden. Mit der Annahme dieses Marktkommentars wird die Zustimmung zur Einhaltung der o.g. Bestimmungen gegeben.