
Vor vier Jahren startete im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier die robotisch assistierte Chirurgie, nun wurde bereits der 1000. Patient mit dem da Vinci-Operationssystem behandelt. Die Chefärzte Privatdozent Dr. med. Fabian Bartsch (Allgemein- und Viszeralchirurgie) und Professor Dr. med. Andreas Neisius (Urologie und Kinderurologie) ziehen ein durchweg positives Fazit der bisherigen Erfahrungen und kündigen eine Ausweitung des Einsatzspektrums an. Der da Vinci des Brüderkrankenhauses kommt vor allem bei der Therapie von Prostata- sowie Darm- und Enddarmkrebs zum Einsatz.
Als im Sommer 2022 im Brüderkrankenhaus das da Vinci-Operationssystem installiert wurde, waren die Erwartungen groß. So auch bei Professor Dr. med. Andreas Neisius. Der Chefarzt der Abteilung für Urologie und Kinderurologie hatte maßgeblichen Anteil an der Anschaffung des Roboters und in seiner früheren Tätigkeit an der Uniklinik Mainz bereits Erfahrungen mit dem da Vinci sammeln können. Heute sagt er: „Ich hatte zwar damit gerechnet, dass der Zuspruch vonseiten der Patienten groß sein würde. Aber ich hatte nicht erwartet, dass der Ansturm so groß sein könnte.“ So groß, dass vor wenigen Tagen bereits der 1000. Patient mit dem da Vinci des Brüderkrankenhauses operiert wurde.
„Die Robotik hat sich bei uns inzwischen voll etabliert“, berichtet Privatdozent Dr. med. Fabian Bartsch, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, der wie Professor Neisius vor seinem Wechsel ans Trierer Brüderkrankenhaus an der Universitätsmedizin Mainz wirkte. Beide wissen um die Vorzüge der robotisch assistierten Chirurgie und deren Bedeutung für die medizinische Versorgung der Region. Immer mehr Patientinnen und Patienten fragten gezielt nach, ob sie mit dem da Vinci operiert werden können. „Hier ist mir wichtig zu betonen, dass es bei jedem einzelnen Patienten eine individuelle Entscheidung ist, ob wir robotisch assistiert operieren oder andere Verfahren wie die Laparoskopie oder die offene Operation zum Einsatz kommen“, so Privatdozent Dr. Bartsch.
Doch es gibt Diagnosen, da ist der da Vinci heute Standard – zumindest im Brüderkrankenhaus. „Gerade bei der Entfernung der Prostata aufgrund eines Prostatakarzinoms kommt das da Vinci-System vorrangig zum Einsatz“, berichtet Professor Neisius. Diese OPs würden in seiner Abteilung mittlerweile zu 95 Prozent robotisch assistiert durchgeführt, beziffert der Urologe. „Nur noch bei absoluten Kontraindikationen wie zum Beispiel nach multiplen Voroperationen im Bauchraum, operieren wir noch offen“, ergänzt der Chefarzt.
Auch in der Behandlung von Nieren- und Harnleitertumoren, aber auch bei rekonstruktiven Eingriffen wie Nierenbeckenplastiken und Blasenhalsplastiken bei immer wiederkehrenden Blasenhalsengen vertrauen Professor Neisius und sein Team auf die Unterstützung durch den da Vinci. Eine Erkrankung, bei der man in der Urologie vom Einsatz der Robotik absieht, ist die Zystektomie, sprich die Totalentfernung der Blase bei invasivem Blasenkrebs mit Harnableitung. Diese führe man weiterhin offen durch, da sich hier noch keine klaren Vorteile für den Einsatz des da Vinci gezeigt hätten, so Professor Neisius.
In der Allgemein- und Viszeralchirurgie liegt der Schwerpunkt in der operativen Behandlung von Darm- und Enddarmtumoren. Auch die Entfernung von Lebertumoren – sowohl lebereigene als auch Metastasen – sowie die Pankreasschwanzresektion bei gut- und bösartigen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse sind inzwischen fest etabliert und gehören zum allgemein- und viszeralchirurgischen Einsatzspektrum des da Vinci, erläutert Chefarzt Privatdozent Dr. med. Fabian Bartsch. Er und sein Team wollen künftig auch Bauchwandhernien und Magenkarzinome robotisch assistiert operieren. Ein wesentlicher Vorteil der Robotik ist, dass sich das OP-Feld mehrfach vergrößert darstellen lässt und so selbst kleinste und feinste Gewebestrukturen besser sichtbar werden, was für den Operateur die Arbeit deutlich erleichtert.
Und was erwarten die beiden Chefärzte, deren Teams in etwa die gleiche Anzahl an da Vinci-OPs verzeichnen und die auch im Rahmen des Robotik-Zentrums Trier eng zusammenarbeiten, für die Zukunft? „Die künftigen Roboter werden noch bessere Eigenschaften haben und beispielsweise das Gefühl für das Gewebe rückkoppeln und somit eine Art haptisches Feedback geben können“, blickt Professor Neisius voraus. Sein Kollege Privatdozent Dr. Bartsch ist überzeugt, dass sich das Einsatzspektrum für den da Vinci weiter verbreitern wird.