
Unsere Region ist eine Flächenregion. Viele Menschen leben nicht in Trier, Wittlich oder Bitburg, sondern in den zahlreichen Orten drumherum. Für sie gehört das Auto umso mehr zum Alltag – für den Weg zur Arbeit, zum Einkauf oder zum Arzt. Der öffentliche Nahverkehr ist für viele Anlässe keine gleichwertige Alternative.
Wer lebendige Innenstädte erhalten will, muss deshalb über Erreichbarkeit sprechen. Viele Menschen wollen ganz konkret etwas erledigen. Sie holen eine Bestellung ab, gehen zum Optiker, bringen etwas zur Reinigung, kaufen beim Fachhändler ein, besuchen eine Arztpraxis oder die Apotheke. Gerade diese Kunden wollen ihr Ziel zügig und ohne Umwege erreichen.
Dafür brauchen wir Parkplätze nicht nur zentral, sondern sinnvoll verteilt über das gesamte Stadtgebiet – dort, wo Geschäfte sind. Für einen inhabergeführten Betrieb sind Stellplätze vor oder in unmittelbarer Nähe des Geschäfts überlebenswichtig. Fallen solche Plätze nach und nach weg, wird aus einer schnellen Besorgung schnell ein umständlicher Vorgang. Und dann gewinnt der Onlinehandel oder der Standort auf der grünen Wiese.
Deshalb sollten Parkplätze nicht bei jeder Straßenumgestaltung reflexartig zur Verfügungsmasse werden. Wer Stellplätze streicht, sollte sehr genau wissen, welche Folgen das für die umliegenden Betriebe und ihre Kunden hat. Wir brauchen ausreichend wohn- und geschäftsnahe Stellplätze, eine einfache Verkehrsführung und Angebote, die kurze Besorgungen erleichtern. In kleineren Städten im Idealfall gebührenfrei. Oder mit einer kostenlosen ersten Stunde – der modernen „Brötchentaste“ – als attraktivem Signal der Kundenfreundlichkeit.
Parken und Aufenthaltsqualität sind kein Widerspruch. Stellplätze können begrünt, beschattet und gestalterisch passend in den Stadtraum eingebunden werden.
Eine lebendige Innenstadt braucht Aufenthaltsqualität – aber genauso die Möglichkeit, schnell und unkompliziert etwas erledigen zu können. Gute Erreichbarkeit mit dem Auto schafft Frequenz. Und Frequenz hält unsere Innenstädte lebendig.
Thomas Stiren,
Präsident der IHK Trier